3. Darf ich Gesundheitsdaten meiner Angehörigen in ChatGPT eingeben?
Aktualisiert: vor 17 Stunden

Zuletzt aktualisiert: Oktober 2026 Kurz gesagt: Geben Sie keine echten Namen, Geburtsdaten oder andere persönliche Informationen ein, sondern allgemeine Formulierungen. Bei wichtigen Entscheidungen holen Sie sich immer professionelle Beratung. Pflegende Angehörige arbeiten oft mit sensiblen Informationen z. B. zur Gesundheit oder Pflegesituation eines Familienmitglieds. Wenn Sie diese Daten direkt in ChatGPT eingeben, könnten die Daten, je nach Nutzung und Version, zur Verbesserung des Modells verwendet werden. Das ist nicht immer datenschutzkonform.
Was sind persönliche und sensible Daten
Persönliche Daten sind alle Informationen, die eine bestimmte Person direkt oder indirekt identifizierbar machen – etwa Name, Adresse, Geburtsdatum, Kontaktdaten oder IP‑Adresse.
Sensible personenbezogene Daten
In der DSGVO als „besondere Kategorien“ bezeichnet – betreffen besonders schützenswerte Aspekte des Lebens. Laut Artikel 9 der DSGVO zählen hierzu:
Gesundheitsdaten (z. B. Pflegegrad, Diagnosen, medizinische Maßnahmen)
Ethnische Herkunft
Politische Meinungen
Religiöse oder weltanschauliche Überzeugungen
Gewerkschaftszugehörigkeit
Genetische Daten
Biometrische Daten zur eindeutigen Identifikation
Daten zum Sexualleben oder zur sexuellen Orientierung
Warum ist der Unterschied wichtig
Weil diese sensiblen Daten automatisch einem strengeren Schutz unterliegen. Die Verarbeitung ist grundsätzlich verboten, außer es greift eine klar definierte Ausnahme, wie z. B.:
ausdrückliche, informierte Einwilligung der betroffenen Person
Verarbeitung zur Wahrung lebenswichtiger Interessen bei Einwilligungsunfähigkeit
gesetzliche Verpflichtungen im Bereich Gesundheit, Sozialschutz oder Beschäftigung
💡Hinweis: Ein Eintrag wie „Pflegegrad 4“ zählt zu den Gesundheitsdaten, sobald er sich einer erkennbaren Person zuordnen lässt. Dann ist er eine sensible personenbezogene Information, mit der Sie sorgsam umgehen sollten. Ohne Personenbezug fällt er nicht unter die DSGVO. Achten Sie darauf, dass auch mehrere Angaben zusammen nicht auf eine bestimmte Person schließen lassen.
Gilt das auch für mich als pflegende:r Angehörige:r?
Ein pauschales Verbot gibt es für Privatpersonen nicht: Die DSGVO nimmt rein private und familiäre Tätigkeiten aus. Wie weit das genau reicht, ist rechtlich aber nicht in jedem Fall geklärt. Sinnvoll ist es deshalb, auf Namen, Adressen und Geburtsdaten zu verzichten. Wie das geht, zeigen die folgenden Tipps.
So nutzen Sie ChatGPT sicher
Anonymität wahren
Geben Sie keine Namen, Adressen oder Geburtsdaten ein. Erkrankungen und Pflegegrad dürfen Sie nennen, solange sich die Angaben keiner erkennbaren Person zuordnen lassen.
Statt: „Meine Mutter, Frau Müller, 83, Berlin, hat Pflegegrad 4 und Parkinson. Welche Hilfsmittel erleichtern ihr den Alltag?“
Besser: „Die zu pflegende Person ist Anfang 80, hat Parkinson und Pflegegrad 4. Welche Hilfsmittel erleichtern den Alltag?“
Training deaktivieren – bei allen privaten Tarifen
In den privaten Tarifen (Free, Go, Plus, Pro) können Ihre Gespräche standardmäßig zum Training genutzt werden. Sie können das ausschalten. Sie müssen aktiv widersprechen, wenn Ihre bisherigen Eingaben nicht weiter für das Modell verwendet werden sollen.
Navigieren Sie dafür zu: Profil → Einstellungen → Datenkontrollen → „Das Modell für alle verbessern“ und schalten Sie diesen Schalter aus. Damit wird Ihr zukünftiger Chat-Inhalt nicht mehr fürs Training genutzt.

💡 Achtung beim Feedback: Auch wenn Sie das Training ausgeschaltet haben, gilt: Geben Sie zu einer Antwort Feedback, zum Beispiel mit dem Daumen, kann das gesamte dazugehörige Gespräch zum Training verwendet werden. Bei Chats mit persönlichen Angaben sollten Sie deshalb kein Feedback geben.
Möchten Sie noch einen Schritt weiter gehen?
OpenAI ist ein Unternehmen, das Künstliche Intelligenz entwickelt, vor allem Sprachmodelle wie ChatGPT. Wenn Sie Ihre Daten schützen möchten, Sie können zusätzlich über das OpenAI Privacy Portal der Nutzung Ihrer Inhalte zum Training widersprechen: „Do not train on my content“ in der deutschen Fassung „Meine Inhalte nicht zum Trainieren verwenden“. Das bedeutet, dass OpenAI Ihre neuen Inhalte ab dem Zeitpunkt der Anfrage nicht mehr zum Training neuer Modelle verwendet.
Temporäre Chats nutzen
Wenn Sie temporäre Chats verwenden, erscheinen diese nicht in Ihrem Verlauf, werden nicht fürs Training genutzt und werden nach 30 Tagen gelöscht. Ideal, wenn Sie möglichst wenig Spuren hinterlassen möchten.

Vorteile von temporären Chats
Keine Speicherung im Verlauf
Keine Nutzung fürs Training
Mehr Kontrolle, wenn Sie wirklich heikle Themen haben
Nachteile von temporären Chats
Kein Verlauf: Sie können nachträglich nicht mehr auf den Chat zugreifen, weil er nicht gespeichert wird. Wenn Sie etwas behalten möchten, müssen Sie es manuell sichern (z. B. kopieren und lokal ablegen).
Kein Kontext über mehrere Sitzungen: Da keine Historie existiert, weiß ChatGPT in einem neuen temporären Chat nichts mehr von vorherigen Gesprächen. Das macht längere Arbeitsprozesse mühsamer.
Personalisierung fehlt: Einstellungen, Schreibstil, Vorlieben – all das wird in temporären Chats nicht gespeichert.
30 Tage Speicher: Auch temporäre Chats werden technisch noch bis zu 30 Tage aufbewahrt (für Missbrauchskontrolle) und danach erst gelöscht.
Kurz gesagt: Temporäre Chats sind sicherer, aber unpraktischer, wenn Sie mit ChatGPT regelmäßig an demselben Thema arbeiten.
Bei sehr persönlichen Inhalten: lokal arbeiten
Formulieren Sie kritische Texte zuerst offline, z. B. in Word oder einem lokalen Textprogramm. Nutzen Sie ChatGPT nur für Strukturvorschläge oder Formulierungen und teilen Sie wirklich nur das Nötigste.
Fazit
Die Nutzung von ChatGPT zur Verarbeitung sensibler Daten birgt datenschutzrechtliche Risiken. Standardmäßig können Ihre Eingaben - auch in der Free- oder Plus-Version - zur Modellverbesserung herangezogen werden, sofern Sie nicht in den Einstellungen aktiv widersprechen, und auch dann können Chats, zu denen Sie Feedback geben, ins Training einfließen. Sie können daher temporäre Chats nutzen, wenn Sie besonders sensible Inhalte besprechen möchten: Diese Chats erscheinen nicht in der Historie und werden nicht zur Modellanpassung verwendet.
Auch temporäre Chats werden bis zu 30 Tage zur Sicherheit aufbewahrt. OpenAI hat 2025 angekündigt, Verschlüsselung für temporäre Chats zu prüfen. Stand heute sind Chats nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt; gesetzliche Vorgaben können ebenfalls Einfluss auf die Datenaufbewahrung haben.
Letztlich liegt es bei jeder:m selbst, die Balance zwischen Funktionalität und Datenschutz zu finden. Wählen Sie den Weg, der Ihnen persönlich am meisten Sicherheit und Komfort bietet.
Quellen:
OpenAI Privacy Portal Wie deine Daten zur Verbesserung der Leistung unserer Modelle verwendet werden Verschlüsselung für temporäre Chats
Die Inhalte dienen nur zu Informationszwecken und ersetzen keine Rechts-, Pflege- oder medizinische Beratung. KI-Modelle können Fehler machen. Bitte prüfen Sie wichtige Informationen selbst. Mehr dazu



