Aktuelles: Deutschlands größter Pflegedienst am Limit
- Pflege mit KI

- 8. Aug.
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 14. Nov.

In Kürze: Pflegende Angehörige versorgen heute weit mehr Menschen zu Hause als jeder ambulante Pflegedienst, und leisten damit die zentrale Basis des deutschen Pflegesystems. Verantwortung, Zeitdruck und psychische Belastung sind enorm. Der Begriff „größter Pflegedienst“ ist keine Metapher, sondern Realität, doch Politik und Gesellschaft müssen endlich nachziehen.
Warum Angehörige vielen Pflegediensten den Rang ablaufen
Im Dezember 2023 waren knapp 5,7 Millionen Menschen pflegebedürftig – und etwa 4,9 Millionen von ihnen wurden zu Hause versorgt, meist durch Angehörige. Rund 3,1 Millionen Pflegebedürftige werden ausschließlich durch Angehörige betreut, ohne professionelle Pflegekräfte. Damit gilt: Pflegende Angehörige sind Deutschlands größter Pflegedienst – ein Titel, den Branchenkenner wie Christian Graggaber verwenden, um zentrale Bedeutung zu betonen.
In Thüringen bekommen aktuell 54 Prozent der Pflegebedürftigen ausschließlich Pflegegeld, also Betreuung durch Angehörige – Tendenz bundesweit ähnlich. Studien gehen von bis zu 7,1 Millionen informell Pflegenden aus.
Was das bedeutet: Eine gigantische Leistung – zu oft unsichtbar
Zeit & Belastung
Pflegende Angehörige investieren im Schnitt 49 Stunden pro Woche, ein deutlicher Anstieg seit 2019 (noch 43 Stunden). Für viele ist das nur parallel zur Erwerbsarbeit machbar – etwa 28 % gaben ihre Arbeit oder reduzierten das Pensum wegen Pflegepflichten.
Soziale & psychische Risiken
Ein Viertel fühlt sich hoch belastet, hat psychische Symptome oder kündigt sogar körperliche Erschöpfung an. Kinder und Jugendliche übernehmen Pflegeverantwortung ohne rechtliche Anerkennung – schätzungsweise 480.000 junge Menschen unter 18.
Wirtschaftlicher Gegenwert
Die jährliche Leistung pflegender Angehöriger wurde bereits 2019 mit über 90 Milliarden Euro bewertet – wertschöpfend und höchst effizient für das Gesundheitssystem.
Warum Angehörige trotzdem nicht als Dienstleistung funktionieren
Keine professionelle Ausbildung, oft fehlende Hilfsmittel und klare Strukturen
Ungerechte Verteilung: ca. 61 % sind Frauen, oft auch in prekären Jobs
Gesetzgeber erkennt sie nur teilweise an: Beispiel Rentenversicherung – Rentenpunkte werden nur gezahlt, wenn Pflegegrad ≥ 2, Pflegeaufwand ≥ 10 Std/Woche und Erwerbstätigkeit ≤ 30 Stunden liegen.
Welche Konsequenzen ergibt das – und wohin muss es gehen?
Problem | Forderung |
Finanzielle Absicherung fehlt | Anerkennung als Pflegedienst – durch Pflegekassen und Rentenanaspruch konsequent absichern |
Zeitliche Überlastung von arbeitenden Pflegenden | Mehr flexible Arbeitszeiten, Auszeiten, Verhinderungspflege (ab Juli 2025: bis zu 8 Wochen) |
Informelle Pflegekräfte bleiben unsichtbar | Junge Pflegende wie „Young Carers“ sichtbar machen, Beratungsangebote ausbauen (z. B. Pausentaste) |
Finanzierungslücken im System | Reform der Pflegeversicherung notwendig – Defizite und Beitragssteigerung sind real: 2024–25 entstand ein Defizitbereich, Beitragssatz soll steigen |
Fazit: Was klar ist
Pflegende Angehörige sind kein Nettoeinkommenspuffer, sondern ein tragender Pfeiler der Pflege in Deutschland. Sie sind in 2025 deutlicher denn je der größte „Pflegedienst“ – mit all ihren Stärken und fatalen Lücken.
Es ist höchste Zeit, sie nicht weiter als selbstverständlich zu betrachten – sondern als unverzichtbare Ressource, die Anerkennung, Sicherheit und echte Entlastung verdient. Keine Beschönigung, sondern sachlich und konsequent: Leistung anerkennen bedeutet Pflegesystem sichern.
Tipp: Wenn Sie selbst pflegen oder ein Familienmitglied pflegen, lohnen sich folgende Schritte:
Prüfen Sie die Voraussetzungen für die Rentenversicherung bei Pflege > 10 Stunden/Woche
Nutzen Sie Verhinderungspflege und Entlastungsleistungen – ab Juli 2025 sind bis zu 8 Wochen möglich
Suchen Sie regionale Beratungsangebote, z. B. über Verbraucherzentralen oder Pflegeportale
Halten Sie durch! Die Politik muss nachziehen.
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